«Der Mann, der ihnen jetzt die Tür öffnet trägt einen Pyjama. Wenigstens in Lilis Augen. An und für sich kein schlechtes Zeichen, weil- sie hasst Nachthemden. Jakob hat es ihr erlaubt, das Pyjamatragen. Allerdings nicht mitten am Tag.
Der Haarschopf des Fremden ist empörend schwarz. Lili neigt den Kopf zur Seite und kneift ein Auge zu. Sie lässt sich Zeit, wählt ihre Worte mit Bedacht. Der erste Satz ist wichtig. Das weiss jeder, der ihn schon einmal gesprochen hat: Er bestimmt die Beziehungstiefe.
>Du hast dunkelschwarze Haare!<, stellt sie fest. Vielleicht ein wenig vorwurfsvoll.»
Der Haarschopf des Fremden ist empörend schwarz. Lili neigt den Kopf zur Seite und kneift ein Auge zu. Sie lässt sich Zeit, wählt ihre Worte mit Bedacht. Der erste Satz ist wichtig. Das weiss jeder, der ihn schon einmal gesprochen hat: Er bestimmt die Beziehungstiefe.
>Du hast dunkelschwarze Haare!<, stellt sie fest. Vielleicht ein wenig vorwurfsvoll.»
Tom Saller
Ein neues Blau
List Verlag 2019
Das neue Buch von Tom Saller:
Tom Saller wurde letztes Jahr mit seinem Buch über das Bauhaus in Weimar «Wenn Martha tanzt» beliebt.
Definitiv eines der Bücher, die den Leserinnen und Lesern letztes Jahr am meisten gefallen haben.
Nun ist sein neues Buch «Ein neues Blau» erschienen. Natürlich war meine Neugierde gross. Schafft er es an Martha anzuknüpfen?
Mein Fazit: Wenn überhaupt möglich, ist «Ein neues Blau» noch besser als sein Vorgänger.
Tom Saller entführt uns diesmal in das Berlin der 20er und 30er, sowie Mitte der 80er Jahre.
Die Hauptprotagonistin, Lili, ist noch ein Kind als wir sie kennenlernen. Ihr Vater ein jüdischer Kaufmann der mit Tee handelt. Ihr engster Vertrauter, Takeshi, halb Japaner, halb Chinese, ein Freund des Tees der immer für das Mädchen da ist, wenn sie ihn braucht.
Wir sehen Lili heranwachsen. Es ist die intensive Freundschaft zwischen dem Mädchen und Takeshi, die einem als Leser so nahe geht. Wie er sie in die Geheimnisse des Tees und zugleich auch in die des Lebens einweiht. Wie sie ihn mit ihrem neugierigen Wesen zum Nachdenken anregt.
Und dann ist da noch das Porzellan. Sozusagen der blaue Faden, der sich durch das Buch zieht. Lilis Faszination dafür, die von der Gattin des Direktors der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Berlins geweckt wird. Die dazu führt, dass sie das Handwerk der Porzellanmalerei, aber auch die Geheimnisse dessen Herstellung erlernen will. Der Bogen, den das Porzellan zwischen Berlin und Takeshis Heimat China schlägt. Und die Lebensversicherung die ein kleines Schälchen aus Porzellan für Lili darstellt.
Und immer fühlt sich Lili Halb und Halb. Geht kaum mehr, fliegt noch nicht…
Und immer fühlt sich Lili Halb und Halb. Geht kaum mehr, fliegt noch nicht…

