Traurig, wunderschön, wahr!
Sahar Delijani
Kinder des Jacarandabaums
ISBN: 978-3-426-30446-4
Droemer Taschenbuch 2015
Fr. 14.90
Als dieses Buch vor zwei Jahren im Hardcover erschienen ist, wusste ich selbst nicht viel über die Iranische Konterrevolution.
Ich kannte zwar selbst politische Flüchtlinge aus dem Iran und wusste, dass sie im Moment auf keinen Fall dorthin zurückkehren können.
Was dahinter steckt, wusste ich nicht.
Dann kam dieses Buch und hat mir die jüngste iranische Geschichte auf eindrückliche Weise näher gebracht.
Sahar Delijani, selbst Tochter zweier politischer Flüchtlinge, lebt mit ihren Eltern unterdessen in den USA.
Geboren wurde sie aber in einem iranischen Gefängnis.
Ihr Wunsch: mit diesem Buch möchte sie ihren Landsleuten eine Stimme geben. In die Welt hinaustragen, was im Iran seit Jahrzehnten abläuft und vom Rest der Welt nicht wirklich wahrgenommen wird.
Irans letzter Shah, Mohammad Reza Pahlavi, verlässt das Land im Jahr 1979, wegen politischen Unruhen.
Seit einiger Zeit schon, gehen Leute auf die Strasse, um gegen seine Politik zu demonstrieren.
Die Demonstranten bestehen aus zwei Gruppen; Die Links-intellektuellen und die stark islamistischen.
Nach dem Sturz des Schahs, ergreiffen die Islamischen Oberhäupter die Macht und gründen die Islamische Republik Iran.
Was den Intellektuellen nicht gefällt; plötzlich gelten noch strengere Regeln. «Dafür sind wir ’79 nicht auf die Strasse gegangen!»
Wieder rufen sie zu Demonstrationen auf, verteilen Flugblätter, engagieren sich für eine andere Staatsform.
Doch das missfällt der neuen iranischen Regierung und sie lassen tausende Wiedersacher verhaften und in Gefängnisse bringen.
Diese werden voller und voller und die Inhaftierten werden auf engstem Raum zusammengepfercht.
Massenerschiessungen sind an der Tagesordnung.
Verhandlungen willkürlich.
Als Amnesty International davon Wind kriegt und einen Besuch ankündigt, werden tausende Häftlinge übers Wochenende nach Hause geschickt.
Viele können fliehen und leben heute in einem anderen Land.
Mit Sehnsucht nach der Heimat, die es nicht mehr gibt.
Sahar Delijani schreibt ein erschütterndes Buch, das jedoch nie absichtlich auf die Tränendrüse drückt, aber immer sehr würdevoll von verschiedenen (fiktiven) Schicksalen erzählt.
Vieles davon ist wahr und alles erfunden.
Ein tolles Buch, das einem die Politik im Iran etwas näher bringt und nach wie vor eines meiner Lieblingsbücher.
