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Die Zeit der Rohdiamanten in Weimar

«Hundert Jahre sind eine lange Zeit. Innerhalb eines jeden Jahrhunderts genau gleich lang. Manch einer behauptet, das vergangene Jahrhundert, das zwanzigste, sei länger gewesen. Andernfalls hätte nicht so viel geschehen können.

Man schreibt das Jahr 1900. Thomas Mann sitzt an seinem ersten Roman. Im Sommer hält Kaiser Wilhelm II. in Bremerhaven seine berüchtigte «Hunnenrede»: «Pardon wird nicht gegeben!». Felix Hoffmann sei Dank, kennt man bereits «Aspirin».

In drei Jahren wird Walter Gropius sein Architekturstudium an der Technischen Hochschule in München aufnehmen und bald darauf wieder abbrechen.

In Tünrow wird Martha geboren. Oben im Schlafzimmer des grossen Hauses.
Unten gibt Otto den Einsatz für die Musik. Zufall oder auch nicht- Marthas Eintritt in die Welt begleitet ein Dreivierteltakt.
Kein Marschrhythmus.
Das kommt später.»

 

Tom Saller
Wenn Martha tanzt
Roman
List Verlag 2018

Geboren in einem Haus der Musik, der Töne und der Melodien sieht Martha das Gehörte in Formen.
In grossen und kleinen Vierecken und Quadraten, Grün oder Rot oder Gelb. Für Sie hat jeder Ton sein ganz bestimmtes Aussehen.
Ihr Vater, der Kapellmeister, kann mit der seltsamen Begabung seiner kleinen Tochter nicht viel anfangen. Ist sie doch völlig blind gegenüber der wahren Sprache der Musik. Den Noten.
Nur Wolfgang, der Dauergast im grossen Haus, erkennt Marthas Gabe. Und so veranlasst er, dass sie ab 1919 in Weimar beim grossen Walter Gropius am Bauhaus ihr Studium aufnehmen kann.

Geprägt vom jungen Johannes Itten, findet Martha dort endlich  zu ihrer Bestimmung und inspiriert damit Lyonel Feininger, Paul Klee, Wassily Kandinsky und andere Bauhaus-Künstler zu einem regelrechten Wettmalen.

«Wenn Martha tanzt» ist ein Abstecher in die Anfänge des Bauhauses in Weimar. Zu Zeiten, als die finanziellen Mittel noch knapp, der Widerstand hingegen gross war und auch internen Meinungsverschiedenheiten die Form der Bauhaus-Philosophie noch schliffen.
Ein spannender Einblick in die Anfänge eines Stils, der bis heute die Architektur, das Design und somit das Landschaftsbild prägt.